Markt

Die E-Mobilität im Zeichen der Corona-Krise

Olivier Lourdin | 02 Apr 2020

Über den Autor

Olivier Lourdin

Bevor Olivier Lourdin 2015 zu Eurotax kam, war er 14 Jahre lang in den Gebrauchtwagen- und Marketingabteilungen mehrerer großer Importeure tätig. Als wahrer Kommunikator und Autonarr teilt er sein Wissen über den europäischen Automobilmarkt mit Begeisterung. Des Weiteren schreibt Olivier Lourdin für Autovista24.

Elektrofahrzeug wird betankt

Die Vorzeichen für ein kräftiges Wachstum bei Elektro-Autos und Plug-In Hybriden standen für 2020 eigentlich gut: Modell-Offensiven der Hersteller, Weiterentwicklung der Ladeinfrastruktur, Vorgaben der Politik, sowie steigendes Interesse seitens der Nachfrager sollten die Anteile von alternativ betriebenen Fahrzeugen heuer merkbar steigen lassen.

Die Trends bei den PKW-Neuzulassungen im Jänner und Februar haben diese Prognose zunächst bestätigt:

Das satte Minus von 10,0% ging ausschließlich zulasten von Benzin und Diesel, wobei insbesondere Benziner mit einem Minus von 5.855 Stück auf einen Marktanteil von 47,2% gefallen sind (Jan-Feb 2019:  54,5%). Elektro-Fahrzeuge konnten dagegen gegenüber Jänner bis Februar 2019 um fast 40% auf 1.676 Stück zulegen und erreichten damit in den ersten beiden Monaten einen Anteil von 3,8%. Plug-In Hybride sind sogar um 269% gewachsen, auf immerhin 910 Stück bzw. 2,1% Anteil. Betrachtet man diese beiden Fahrzeug-Arten zusammen, so machen sie mit 2.586 Stück insgesamt 5,9% des Marktes in den ersten beiden Monaten aus. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (1.536 Stück bzw. 3,1% Anteil) ist das ein deutliches Plus.

Der gewerbliche Anteil der Neuzulassungen ist bei Elektro-Fahrzeugen mit rund 75% jedoch nach wie vor deutlich höher als bei konventionellen Antrieben. Dabei bleibt abzuwarten, wie viele der zugelassenen Stromer sich als Kurzzulassungen entpuppen und sich in den nächsten Monaten auf dem Gebrauchtwagenmarkt wiederfinden. „Das Zwischenergebnis der Monate vor der Corona-Krise zeigt einen weiteren klaren Trend zur Elektrifizierung der Antriebe, wenn auch nach wie vor auf geringem Niveau“, so Robert Madas, Valuation Insights Manager von Eurotax Österreich.

Zukunftsszenarien durch die Corona-Krise

Seit Mitte März ist nun ohnehin alles anders: Der Autohandel ist per Verordnung zum Erliegen gekommen, die Registrierungsstellen führen nur noch in Ausnahmefällen Anmeldungen durch und fast alle Autowerke in der EU haben mittlerweile die Produktion vorübergehend eingestellt. Zwischenzeitliche Schließungen in Zulieferbetrieben werden die ohnehin schon zögerliche Auslieferung von neuen Elektro-Modellen in noch weitere Ferne rücken.

Die Dynamik bei Neuzulassungen von E-Autos ist jedoch stark von der Erhältlichkeit attraktiver Modelle abhängig, wie sich 2019 gezeigt hat (siehe Grafik unten): Der Zuwachs bei Elektro-Fahrzeugen gegenüber 2018 entspricht relativ genau den Zulassungen des Tesla Model 3 (2.342 Stück).

Elektrofahrzeuge NZL 2017-2019

Sollten also angekündigte Modelle wie der ID.3, der als „Volksstromer“ für die breitere Masse interessant sein will, heuer verzögert vom Band laufen, ist auch von einer Delle beim Wachstum der alternativen Antriebe auszugehen. Ein durch die Corona-Krise bedingter Einbruch der Autonachfrage zeichnet sich ohnehin schon ab: Im März sind die PKW-Neuzulassungen gegenüber dem Vorjahr um rund zwei Drittel zurückgegangen auf 10.715 (nach vorläufigen Zahlen).

Wie nachhaltig der Nachfrage-Einbruch durch die Corona-Krise sein wird und welche Segmente und Antriebe er wie stark trifft, lässt sich derzeit nur erahnen. Ein weiteres mögliches Szenario ist, dass die Krise jene Käufer deutlich schwächer treffen wird, die sich die vergleichsweise hohen Anschaffungskosten von Elektro-Fahrzeugen und Plug-In Hybriden leisten können. Das könnte in einem grundsätzlich schrumpfenden Neuwagen-Markt wiederum für weiter steigende Marktanteile von alternativen Antrieben sorgen.

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