Markt

Marktausblick 2020

Olivier Lourdin | 14 Jan 2020

Über den Autor

Olivier Lourdin

Bevor Olivier Lourdin 2015 zu Eurotax kam, war er 14 Jahre lang in den Gebrauchtwagen- und Marketingabteilungen mehrerer großer Importeure tätig. Als wahrer Kommunikator und Autonarr teilt er sein Wissen über den europäischen Automobilmarkt mit Begeisterung. Des Weiteren schreibt Olivier Lourdin für Autovista24.

ein Parkturm mit vielen Autos

2019 ist Geschichte, das Jahr war mit 329.363 PKW-Neuzulassungen letztendlich um 3,4% bzw. 11.705 Stück schwächer als 2018. Die bestimmenden Trends waren weiterhin rückläufige Diesel-Neuzulassungen auf aktuell 38,4% Marktanteil – und zwar nicht nur bei Privatkunden: so wurden erstmals auch in der Flotte deutlich mehr Benziner zugelassen als Selbstzünder. Zudem hat sich (ausgehend von einem niedrigen Niveau) ein deutliches Wachstum bei Hybrid- und Elektro-Fahrzeugen gezeigt: Der Anteil aller alternativ betriebener PKW war mit 8,0% bzw. 26.346 Neuzulassungen zwar weiterhin relativ gering, der relative Zuwachs war mit 56,8% aber sehr stark.

Was bedeuten diese Vorzeichen für das aktuelle Jahr? „2020 rechnen wir mit einem stagnierenden bzw. leicht steigenden Niveau von rund 330.000 bis 335.000 Neuzulassungen“, so Robert Madas, Valuation Insights Manager von Eurotax Österreich. „2020 werden die drohenden CO2-Strafzahlungen ihre Wirkung zeigen. Wir erwarten eine hohe Anzahl an Kurzzulassungen von CO2-armen Fahrzeugen gegen Ende des Jahres.“ Die Höhe der Kurzzulassungen wird dabei von der tatsächlichen Nachfragesituation nach alternativen Antrieben während des Jahres abhängig sein.

Die Hersteller müssen heuer so viele CO2-arme Fahrzeuge wie möglich zulassen, um Strafzahlungen zu entgehen. „Elektro- und Hybridfahrzeuge werden dieses Jahr also sicher gepusht, die tatsächliche Nachfrage ist allerdings schwer einzuschätzen“, so Robert Madas. Heuer kommen nämlich neben vielen neuen Elektro-Modellen auch traditionell volumen-starke Modelle wie der Golf 8 und der neue Skoda Octavia auf den Markt.

Wir rechnen grundsätzlich mit einem weiteren Anstieg bei alternativen Antrieben, wobei lange Lieferzeiten bei manchen neu vorgestellten Modellen natürlich problematisch sein können und die Zurückhaltung der Kunden dadurch weiter anhalten könnte. Es ist davon auszugehen, dass der Markt nicht alle CO2-armen Fahrzeuge ohne weiteres aufnehmen kann. Das kann die Hersteller in der Folge zu hohen Rabatten veranlassen oder zu taktischen Kurzzulassungen. „Insbesondere Rabatte wirken sich in den kommenden Jahren negativ auf den Restwert aus, da die gewährte Differenz zum Listenpreis später auf dem Gebrauchtmarkt kaum mehr wettgemacht werden kann.“

Die Trends im Gebrauchtwagenmarkt

Stichwort Gebrauchtwagenmarkt: Die Trends im Neuwagenmarkt werden mit Verzögerung auch bei Gebrauchten sichtbar. Bisher liegt der Diesel unverändert auf sehr hohem Niveau mit knapp über 60% aller Ummeldungen. Im kommenden Jahr erwarten wir einen allmählichen Rückgang, nachdem Diesel-Fahrzeuge bei Neuzulassungen seit 2017 stark unter Druck sind. Auch der Trend zu SUVs im Neuwagenmarkt wird sich 2020 bei Gebrauchtzulassungen verstärkt zeigen. Der vergangene, bei Neuzulassungen starke Dezember wurde vermutlich auch dazu genutzt, um verbrauchsintensive Modelle anzumelden. Diese Fahrzeuge kommen 2020 zum Teil als junge Gebrauchte auf den Markt.

„In Stückzahlen rechnen wir 2020 mit rund 870.000 PKW Gebrauchtzulassungen und damit mit einem stabilen Markt“, schätzt Robert Madas. „Nach dem sehr starken Neuwagen-Jahr 2017 kommen heuer sehr viele 3-jährige Fahrzeuge auf den Markt, was den Gebrauchtwagenmarkt angebots-seitig dynamischer machen wird. Nachdem die Flotten-Fahrzeuge 2017 noch überwiegend Diesel waren, gehen wir in dieser Altersklasse weiterhin von einem großen Angebot an Diesel-Fahrzeugen aus.“ Die Marktbeobachtung zeigt allerdings seit Ende 2018 einen Anstieg bei den durchschnittlichen Angebotstagen – sowohl bei Benzinern als auch bei Diesel-Fahrzeugen. Sollte dieses zusätzliche Angebot auf stagnierende Nachfrage treffen, ist in dieser Altersklasse von tendenziell sinkenden Preisen auszugehen.

In Bezug auf Alternativantriebe ist auch bei den Gebrauchtzulassungen von einer überdurchschnittlichen Zunahme auszugehen – wie schon bei den Neuzulassungen wird sich der steigende Trend (mit Verzögerung) fortsetzen.

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