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Rückläufige Diesel-Anteile an den NZL: Wie entwickeln sich die Restwerte?

Olivier Lourdin | 01 Jul 2020

Über den Autor

Olivier Lourdin

Bevor Olivier Lourdin 2015 zu Eurotax kam, war er 14 Jahre lang in den Gebrauchtwagen- und Marketingabteilungen mehrerer großer Importeure tätig. Als wahrer Kommunikator und Autonarr teilt er sein Wissen über den europäischen Automobilmarkt mit Begeisterung. Des Weiteren schreibt Olivier Lourdin für Autovista24.

Auto wird betankt

Im vierten Quartal 2019 sank der Marktanteil der dieselbetriebenen PKW in Europa auf 29,5%. 2016 waren noch 49,2% aller europäischen PKW-Neuzulassungen dieselbetrieben.

Der österreichische Neuwagen–Markt zeigt ein ähnliches Bild: Auch hierzulande sind die Dieselzulassungen in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Waren es von 2014 bis 2016 noch jeweils rund 57-58%, sank 2017 der Diesel-Anteil knapp unter die 50%-Marke. Das mediale Dieselbashing drückte 2018 die Zulassungen auf 41,1% und ab 2019 sogar unter 40%. In absoluten Zahlen ausgedrückt, sanken die Dieselzulassungen von 188.866 Einheiten im Jahr 2016 auf 126.466 Einheiten im Jahr 2019.

NZL Entwicklung Treibstoffmix (inkl. Hybrid) 2014-2020

Zugenommen hingegen haben vor allem die benzinbetriebenen PKW, die 2016 131.729 Zulassungen darstellten. 2019 waren es 176.912 Einheiten. Dazu kommen noch 12.125 Einheiten mit Benzin-Hybrid-Antrieb (diese veranschaulicht der blaue breite Balken in der Grafik). Die reinen Elektrofahrzeuge sind ebenfalls bei den Stückzahlen von 2016 (3.824 Einheiten) auf 9.242 Einheiten im Jahr 2019 stark gestiegen.

Der Diesel-Anteil der Neuzulassungen bei den großen SUVs lag jahrelang weit über 90%. Aktuell liegt die Quote nur noch bei 70%. Auch bei den immer beliebter werdenden kleinen und mittleren SUVs lag der Diesel-Anteil in den Jahren 2009 bis 2016 zwischen 68 und 75%. 2020 erreicht der Diesel nur noch ca. 36% (inkl. 1% Hybrid-Varianten). In den kleineren Fahrzeugsegmenten (A und B), wo der Diesel-Anteil vor einigen Jahren bis zu 10% betrug, erreicht der Diesel aktuell kaum mehr als 2%. Der Diesel-Anteil in der unteren Mittelklasse (C) beträgt momentan 37% – in den Spitzenzeiten (2011 – 2016) lag er knapp über 55%.

Bei den PKW-Gebrauchtwagen-Ummeldungen dominiert noch der Diesel mit ca. 60% Marktanteil. Jedoch zeichnen sich etwas verzögert auch hier die Trends der Neuzulassungszahlen ab. In den Erstzulassungsjahren 2019 – 2020 überwiegen bereits die Benziner.

Wie entwickeln sich die Diesel-Restwerte aufgrund dieser Veränderungen?

Seit dem im September 2015 bekannt wurde, dass Volkswagen und in späterer Folge auch weitere Hersteller illegale Abschalteinrichtungen installiert hatten um bei Abgastesten mit niedrigem Stickoxid-Ausstoß zu glänzen, befinden sich die Restwerte von dieselbetriebenen Fahrzeugen auf Talfahrt. Hinzu kommen noch Fahrverbotszonen in Städten und weitere politische Maßnahmen, die zur Eindämmung der Klimakrise gesetzt werden.

Kraftstoffindex PKW Diesel 08/15-08/2020

Im Eurotax – Fuel Index sieht man die Entwicklung der Diesel-Restwerte (Angebotspreise) nach Altersgruppen (in Jahren). Referenziert auf den 01.01.2017 sieht man, dass 0 bis 1-jährige Fahrzeuge die geringsten Wertverluste hinnehmen mussten. Stärker betroffen sind die gebrauchten Dieselfahrzeuge in den Altersklassen zwischen 1 und 8 Jahren mit einem Rückgang von 7 bis 8 – Index-Punkten. Große Wertverluste gibt es bei den Dieselfahrzeugen mit einem Alter von über 8 Jahren, die bis Mitte 2019 um 13%-Punkte gefallen sind. Generell sieht man aber eine Stabilisierung der Dieselrestwerte ab Herbst 2019.

Geht man bei der Betrachtung der Dieselrestwerte ins Detail und vergleicht man die Entwicklung von 36 Monate alten PKW in verschiedenen Segmentgruppen, fällt folgendes auf:

ETIX (GW-Preisentwicklung) Diesel - Segmentgruppen - Alter 36 Monate Dez 2016 - Aug 2020

In den kleinen Fahrzeug-Segmenten (Kleinwagen A, Stadtwagen B und Microvans b), wo die Nachfrage und auch das Neuwagenangebot von Dieselmotorisierungen in den letzten Jahren stark abgenommen haben, sieht man die Diesel-Restwerte vor allem ab Jahreswechsel 2017/18 stark unter Druck. Sie sind ca. um 3 Prozentpunkte auf ungefähr 54% gesunken.

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in den Segmenten der unteren Mittelklasse (C), Family Vans (c) sowie der Mittelklasse (D). Der Diesel büßte hier 2 Prozentpunkte im Jahr 2018 ein, sowie ein weiteres im 1. Halbjahr 2019. Seither haben sich hier die Dieselrestwerte bei rund 53% stabilisiert.

Die seit Jahren boomenden SUVs (i/I), die vor allem bei den größeren Modellen sehr oft mit Dieselmotoren angetrieben werden, befinden sich seit der Dieselkrise (und verstärkt ab Anfang 2018) im Sinkflug. Eine Stabilisierung der Restwerte bei ca. 56% ist seit Ende 2019 aber auch hier erkennbar.

Minivans (L), Kombi/Busse (T) und gewerbliche Vans (V) sind traditionell starke Dieselsegmente. In den Anwendungsbereichen dieser Segmente gibt es kaum Alternativen zum Dieselaggregat. Dementsprechend steigend verhalten sich hier Restwerte.

Zusammenfassend sind die Dieselrestwerte seit 2015 kräftig gesunken. Jedoch zeichnet sich ab Frühjahr 2019 eine sichtbare Stabilisierung ab. Die sinkenden Diesel-Neuzulassungen der letzten Jahre würden dafür sprechen, dass die Restwerte auch in nächster Zeit auf diesem Niveau bleiben.

Wenn da aber nicht Corona wäre: Wie man aus unserer Analyse zur COVID19-Krise entnehmen kann, erwarten wir in unseren Märkten aufgrund der wirtschaftlichen Rezession leider abermals zusätzlichen Druck auf die Restwerte (Autovista Group Whitepaper).

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