Markt

NoVA auf LCVs

Olivier Lourdin | 05 Mai 2021

Über den Autor

Olivier Lourdin

Bevor Olivier Lourdin 2015 zu Eurotax kam, war er 14 Jahre lang in den Gebrauchtwagen- und Marketingabteilungen mehrerer großer Importeure tätig. Als wahrer Kommunikator und Autonarr teilt er sein Wissen über den europäischen Automobilmarkt mit Begeisterung. Des Weiteren schreibt Olivier Lourdin für Autovista24.

Seit Monaten wird die umstrittene Neuregelung der Normverbrauchsabgabe in der Branche heiß diskutiert. Insbesondere die erstmalige Einführung der Steuer für leichte Nutzfahrzeuge (Klasse N1) erhitzt die Gemüter, da das eine erhebliche zusätzliche Belastung für die meisten Fuhrparks bedeutet. Die NoVA-Novelle soll am 1. Juli 2021 in Kraft treten und wird damit den Kauf von neuen Transportern, Pritschen und anderen leichten Nutzfahrzeugen deutlich verteuern. Welche Trends zeigen sich dadurch bereits auf dem Markt und welche Restwert-Entwicklung ist in weiterer Folge zu erwarten?

Die Nachfrage nach leichten Nutzfahrzeugen (LNF) war auch im krisen-geschüttelten Jahr 2020 den Umständen entsprechend stabil: Während die Neuzulassungen bei PKW im vergangenen Jahr um fast 25% auf 248.740 eingebrochen sind, wurden immerhin rund 36.500 LNF zugelassen, was einem vergleichsweise sanften Minus von 16% entspricht. Im ersten Quartal 2021 waren die Neuzulassungen mit fast 11.800 gar auf einem Rekordhoch, da viele Unternehmen im Vorfeld der NoVA-Einführung noch vorgezogene Käufe abgeschlossen haben.

CO2-arme Fahrzeuge, also zum Beispiel rein elektrisch betriebene Nutzfahrzeuge, sind zwar von der NoVA ausgenommen, allerdings finden sich im Modellangebot derzeit noch wenige elektrische Alternativen. So wurden 2020 gerade einmal 715 elektrische LNF zugelassen, das entspricht 2% Marktanteil. In nennenswerter Stückzahl haben es bisher erst die Modelle Renault Kangoo Z.E., Nissan e-NV 200 und Mercedes e-Vito auf die Straße geschafft. In den kommenden Monaten und Jahren kommen jedoch immer mehr Elektro-Modelle und Plug-In-Hybride auf den Markt. Wieweit damit die unterschiedlichen Bedürfnisse der Unternehmen dann abgedeckt werden können, wird sich zeigen.

Stark steigende Angebotspreise auf dem Gebrauchtmarkt

Angesichts der bevorstehenden steuerlichen Änderungen beim Neukauf beobachten wir seit Oktober des vergangenen Jahres auch auf dem Gebrauchtmarkt eine besondere Dynamik. Eine steigende Nachfrage trifft auf ein knappes Angebot und lässt die Preise in die Höhe klettern. Die COVID-Pandemie hat dabei als Beschleuniger gewirkt: lange Lieferzeiten bei Neuwagen, fehlende junge Gebrauchte aufgrund weniger Kurzzulassungen, sowie erhöhter Bedarf in der Lieferbranche durch den zunehmenden Online-Handel.

„Wie die aktuelle Marktbeobachtung zeigt, steigen die Angebotspreise für gebrauchte leichte Nutzfahrzeuge besonders stark. Im Schnitt liegen die Preise bereits um rund 9% über dem Niveau vor der Corona-Pandemie“, so Robert Madas, Head of Valuations bei Eurotax Österreich. Im Vergleich dazu haben die Preise für PKW nur um 2,7% zugelegt (siehe auch Abb. 1).

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(Abb. 1: Entwicklung der Angebotspreise von gebrauchten PKW und LNF in Österreich seit Februar 2020)

Der Gebrauchtwagen-Markt für leichte Nutzfahrzeuge ist aber nicht nur teurer geworden, das Angebot wird auch weniger und älter. Ein Vergleich zwischen Februar 2020 und April 2021 zeigt, dass das Angebot der 10 meist-gehandelten Modelle fast ausnahmslos im Schnitt älter, teurer und weniger geworden ist (siehe Abb. 2). „Da das passende Angebot fehlt, ist für viele Unternehmen ein Ausweichen auf den Gebrauchtmarkt kaum möglich“, so Robert Madas.

Veränderung der Angebotspreise, Angebotsvolumen und Durchschnittsalter der Top10 gehandelten gebrauchten LNF von Feb. 2020 zu Apr. 2021
(Abb. 2: Veränderung der Angebotspreise, Angebotsvolumen und Durchschnittsalter der Top10 gehandelten gebrauchten LNF von Feb. 2020 zu Apr. 2021)

Preise und Restwerte werden steigen

Bereits jetzt führen die stabile Nachfrage und das knappe Angebot zu steigenden Restwerten von gebrauchten LNF. Die NoVA wird zudem zu höheren Neuwagen-Preisen führen und wie eine „erzwungene Inflation“ wirken. Das konkrete Ausmaß ist dabei abhängig von der Motorisierung, wird sich für viele gängige Modelle aber zumindest zwischen 10 bis 20% bewegen.

In weiterer Folge sind steigende Restwerte zu erwarten, aber nicht im selben Ausmaß wie die Preis-Erhöhungen. Das zeigen auch Erfahrungswerte u.a. aktuell aus Deutschland (Erhöhung der MwSt. nach der befristeten Senkung) oder Spanien (Erhöhung der CO2-Steuer auf Neuwagen).

Fahrzeugbestand wird älter, CO2-Ausstoß sinkt (noch) nicht

Unterdessen ist das durchschnittliche Alter der gewerblichen Fahrzeuge in Österreich im vergangenen Jahr sprunghaft gestiegen. Sowohl gewerblich genutzte PKW als auch LNF werden angesichts der Marktsituation länger gefahren. Das Durchschnittsalter ist bei PKW von 3,2 Jahren auf 3,7 Jahre gestiegen, bei LNF von 5,4 Jahren auf 5,7 Jahre (siehe auch Abb. 3).

Durchschnittsalter der gewerblichen Fahrzeuge im Bestand
(Abb. 3: Veränderung des Durchschnittsalters gewerblich genutzter PKW und LNF im Fahrzeugbestand)

„Die Analyse des Fahrzeugbestandes zeigt, dass schon jetzt leichte Nutzfahrzeuge mit einer älteren Abgasnorm länger gefahren werden. Nachdem ein Umstieg auf CO2-arme Hybrid- und Elektromodelle bei leichten Nutzfahrzeugen derzeit nur bedingt möglich ist, erwarten wir kurzfristig keinen positiven Effekt auf den jährlichen CO2-Ausstoß durch die neue NoVA“, so Martin Novak, Geschäftsführer von Eurotax Österreich.

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